Hallo Menschen!

Herzlich Willkommen,

ihr habt euch erfolgreich auf meinem Reiseblog verirrt.

Ich bin Nora, schicke 19 Jahre alt und hab Lust etwas zu erleben. In diesem Sinne fliege ich in 3 Tagen für ein Jahr nach Kambodscha. Dort werde ich einen vom Bundesministerium geförderten freiwilligen Dienst absolvieren und in einem Kinderdorf arbeiten.

Ich habe dazu vor diesen Blog zu führen. Noch habe ich allerdings nicht viel zu sagen. Lasst euch überraschen. Ich tu’s auch.

Also wenn ihr die Lust verspührt, an meiner Reise teilzuhaben und mal abchecken wollt, wo ich mich rumtreibe und was mich beschäftigt dann schaut doch mal rein.

Liebe Grüße Nora

Advertisements

180 Tage Tonle Bati

Ein halbes Jahr, ist etwa 1/165 , das sind ca. 0,6% eines Lebens einer Frau, wenn man von einem Durchschnittsalter von 82,5 Jahren ausgeht. Zunächst erscheint einem das nicht sehr viel.

Aus diesem Grund und weil dieser Bericht auf dieser Grundlage aufbauende Inhalte enthält, möchte ich gerne zunächst darlegen, was während meines halbvollbrachten Einsatzes passiert ist.
In 180 Tagen kommt dann nämlich doch einiges zusammen.

Am 5. August 2015 trat ich meine Reise nach Kambodscha, mit 5 Mitfreiwillligen an. Wir schmissen über den Sommer die „summerschool“ und bekamen immer mal wieder Unterstützung von Kurzzeitfreiwilligen. Am 9. November sollte dann die Schule aufmachen. Das bedeutete für uns, einen unglaublichen Zuwachs an Kindern, Stundenpläne, Zusammenarbeit mit dem „Khmerstaff“ also kambodschanischen Lehrern, mehr Klassenräume, die es zunächst einzurichten galt, einen (Lehr-)plan und eine separierte Nursery (Kindergarten).

Diese ist heute mein Arbeitsplatz.

Nicht nur in der Arbeitswelt ist einiges passiert. Auch bei meinem neuen Zuhause in Kambodscha, das sich auf dem Schulgelände befindet, konnte ich so einige Veränderungen bemerken.
So wurde im letzen Monat das komplette Volunteerhouse renoviert bzw. gestrichen. Außerdem kommt es seit einem Monat häufiger vor, dass wir Abschied von Kurzzeitfreiwilligen nehmen müssen, die mit uns durch Dick und Dünn gegangen sind, während die Schule von uns, für die Eröffnung bereit gemacht wurde.

In meiner Freizeit bin ich oft in Phnom Penh unterwegs, ich habe aber auch schon einige Male die Zeit gefunden Kurztrips in Kambodscha und Thailand zu machen. Ich möchte an dieser Stelle nicht alle aufführen. Auf meinen Ausflug nach Bangkok möchte ich dennoch zu sprechen kommen, weil sich hier ein guter Vergleich zu Phnom Penh ziehen lässt.

Wer es gewohnt ist in Phnom Penh zu leben, findet Bangkok unsympathisch. Warum?

Bangkok hat im Gegensatz zu Phnom Penh, den Scharm einer sich entwickelnden Stadt verloren. Bangkok ist viel mehr aus allen Nähten geplatzt. Alles kann man hier gar nicht sehen, zurechtfinden ist ausgeschlossen und Tourismus und Farangs soweit das Auge reicht. Phnom Penh nimmt es da ein bisschen gelassener und hinkt Bangkok noch hinterher, was mir sympathischer ist.

Diese ereignisreiche Zeit ist nicht einfach so passiert, ohne Spuren bei mir zu hinterlassen und Veränderungen in meinem Bewusstsein zu bewirken.
Ich wage von mir behaupten zu können, dass sich mein Bild von Kambodscha in dieser Zeit geschärft hat. Dabei waren es nicht nur das Reisen in einige Ecken von Kambodscha, sondern vielmehr der tägliche Kontakt mit Khmers. Mir fällt in diesem Land neben vielen Problemen, wie Armut, der Verkehr bzw. die Infrastruktur, starke Umweltverschmutzung durch Müll und Alkoholismus, immer wieder auf, dass dieses Land wächst, sich entwickelt und gedeiht. Für mich persönlich ist es daher erstaunlich, dass ich auf, in Deutschland normale Sachen, verzichte kann und es mich nicht sonderlich stört. Ich führe ein ganz normales Leben, manchmal kommt da eben kein Wasser aus dem Hahn, manchmal muss man eben zum Müllverbrennungsplatz und das anzünden, was man so für Müll gemacht hat und dann schläft man nicht im 1,40 Bett wie zuhause sondern auf einer gemütlichen Pritsche. Dafür steht man jeden Tag mit der Sonne auf, putzt gemeinsam draußen Zähne und arbeitet mit Kindern zusammen die glücklich und dankbar sind („Thank you Teacher, for teaching us).
Was ich auf dem Seminar bemerkt habe ist, dass ich im Vergleich zu anderen Freiwilligen( zB. in Thailand) gebraucht werde und das macht mich stolz. Im Verlauf des letzten Jahres habe ich immer wieder gemerkt wie viel so ein Jahr für ein selber sein kann. Wie viel es bewirken kann, wie viele Erfahrungen man machen kann, wenn man z.B. mit Menschen aus aller Welt zusammen arbeitet. Ich habe auch gemerkt, dass man stolz ist. Stolz eine Schule gemeinsam mit anderen eröffnet zu haben und sie jetzt zu betreiben. Stolz ein bisschen Smalltalk auf Khmer zu halten. Stolz ist ein wahrlich schönes Gefühl.
Dennoch eine reine Ego-Tour ist meine Reise hier nicht. Ich werde gebraucht und ich helfe und die Menschen hier sind dankbar dafür. Auch wenn ich nicht ausgebildet bin, kann ich Kindern beibringen, wie die Farben heißen, zu zählen und wie man schwimmt. Letzteres ist grade im Gebiet in Tonle Batie (Tonle=See) sehr wichtig.
Nach meinem halben Jahr hier, habe ich mich gefragt, was mich an Seametrey überzeugt.
Natürlich ist das reine Konzept, den armen zu helfen wunderbar. Aber mich hat vor allem eine Geschichte meiner Chefin überzeugt an sie und das Projekt zu glauben. Dabei ist diese Geschichte eine kleine Hilfsaktion von vielen, aus der sich das Mosaik Seametrey zusammensetzt.
Lisa und Rathana leben zusammen mit ihrer Oma am Straßenrand auf dem Weg zur Schule. Straßenrand meine ich dabei wörtlich. Ein Paar Plastiktüten und morsche Holzplatten sollen das Zuhause von den Dreien sein. Damit sie sich ein bisschen Obst leisten können, hat Mouy (meine Chefin) die Oma, der beiden Mädels zum Unkrautziehen eingestellt. Sie hat ihnen zusätzlich ein Haus auf dem Seametrey Gelände versprochen. Auf dem Gelände hat sie auch schon vielen anderen Familien ein Zuhause, gegen einfache Arbeit geboten.
Neben all dem Positiven hier in Kambodscha gibt es natürlich auch noch ein, zwei Probleme, die aufkommen. Für diese möchte ich mir jetzt noch einmal ein wenig Zeit einräumen.
Zunächst möchte ich noch einmal feststellen, dass wenig von Allem zuhaben kein Problem darstellt. Nervig ist es ab und an trotzdem, wenn man unter der Dusche steht und kein Wasser mehr aus der Leitung kommt. Wenn dann das ganze Wochenende das Wasser ausfällt macht sich nicht nur ein komischer Geruch sondern auch komische Stimmung breit. Ein viel größeres Problem war allerdings die Anreise zum Seminar. Das Nachbarland Thailand sieht zwar aus wie ein Katzensprung entfernt. Mit Grenze und Allem hin und her hat es uns aber schon einiges an Zeit geraubt und viel abverlangt, wenn man bedenkt, dass kein Ruhetag eingeplant war. Unsere Chefin Mouy ist ein Workaholic, das ist wahrscheinlich ihr Erfolgsgeheimnis, allerdings fiel es uns zunächst daher auch schwer Urlaubstage zu bekommen. Ich arbeite von Montag bis Freitag von 8-15.30 Uhr, bis auf ein paar Ausnahmen. (Donnerstags bis 16Uhr). Einmal im Monat arbeiten alle Freiwilligen Samstag zusätzlich noch an dem Aufbau der Schule weiter mit. Das größte Problem ist allerdings eines der Grundversorgung. Wir filtern hier unser Trinkwasser selber und mussten leider feststellen, dass dieses Wasser keinem sauberen Trinkwasser entspricht. Unsere Chefin ist zu unserem bedauern nicht bereit Trinkwasser zu kaufen. Ich hab für mich selber entschlossen das nächste halbe ja kein dreckiges Wasser zu trinken, das nebenbei auch nicht sonderlich schmeckt und veranlasst, dass ich zu wenig trinke. Ich kaufe mir beim Shopp nebenan einen 20 Liter Kanister für 3500 Riel (nicht mal 1Dollar). Wenn man bedenkt, dass wir diesen Dienst auf freiwilliger Basis machen und wir selber und der Bund einiges an Geld gezahlt haben um hier zu helfen ist dies allerdings mit einem weinenden Auge zu betrachten dies selber machen zu müssen.
Das war mein Rückblick der ersten Hälfte.
Nun steht die zweite vor der Tür. Ich wünsche mir, dass es weiterhin so läuft wie bis jetzt, dass sich einige Probleme, auch im Interesse der nachfolgenden Freiwilligen, klären werden, dass mir weiter nette Ideen für den Kunstunterricht einfallen und mein Khmer besser wird. Kambodscha ist toll und ich würde gerne zurückkehren. Nicht nur um die Entwicklung einzelner Schüler zu sehen sondern auch um die Entwicklung des ganzen Landes bestaunen zukönnen.

Hallo meine lieben Leser,
Ihr musstet euch jetzt lange gedulden, um Neues von mir aus Kambodscha zuhören. Es ist einiges passiert…
Anfang Oktober ging es für mich nach Siem Reap. Jeder der in Kambodscha reist, muss einmal dort gewesen sein. Es war einer der ersten Ausflüge und das erste Mal, dass ich das Leben dieser „Backpacker“ kennengelernt habe. Das ist eine total andere Welt in der sie sich bewegen. Party und Reisen. Ein Urlaub der für manche nie aufhört gegen ein Leben in einer Schule als Volunteer. Arbeiten für Lau und wenig Freizeit. Ich hab mich für Letzteres entschieden und bin froh über meine Entscheidung. So ein längeres Urlaubswochenende mit Einblick in die Bagpackerszene hat aber auch was. So kamen wir in den Genuss eines Bierpongtisches im Pool und Gin Tonic Mischen für 1$. Das eigentliche Ziel der Reise war allerdings nicht Siem Reap, eine Stadt bestehend aus Pubstreet, Nightmaket und Hostels, sondern Angkor Wat.

 

Am 2. bzw. 9. November, war es dann soweit. Die Schule öffnete die Türen. Von da an lief alles ein klein bisschen geordneter und organisierter. Jedenfalls so, wie es im Rahmen Kambodschas möglich ist. Seit dem bin ich in der Nursery tätig und ich liebe diesen Job. Täglich grüßt das Murmeltier… und so werden immer wieder die gleichen Songs gesungen und Spiele gespielt. Immer wenn ich an der Kinderküche vorbei komme, steht „Essen“ für mich bereit. Wenn ich dann versuche auf Khmer zu sagen, dass das Essen heute mal wieder besonders lecker schmeckt oder ich keinen Hunger mehr habe, werde ich von den Kindern ausgelacht. Irgendwie höre ich mich wohl an wie ein Baby, wenn ich Khmer spreche. In den ersten Tagen war es für die Kinder noch wirklich schwer Vertrauen aufzubauen. Dann kam es vor, Kinder so lange hysterisch geheult haben, dass sie kotzen mussten und Kinder sich eingemacht haben. Auch die Türen für das Klo wurden erst nicht benutzt und alle Kinder sind an den Puzzels verzweifelt. Mittlerweile löst Nita immer noch jeden Tag das gleiche Puzzel mindestens 2 Mal und die Kinder laufen auf mich zu und ringen mich zu Boden, während sie „Hello Teacher Nora“ schreien.

 

 

 

Nach einigen Wochen, der Arbeit stand das Wasserfest vor der Tür. Für uns hieß das 3 Tage frei und weg. Einfach mal raus aus Tonle Bati. Spontan traten wir einen Kurzurlaub auf der kambodschanischen Insel Koh Rong an. Zufällig war zu dieser Zeit Vollmond und so konnten wir auf einer Fullmoonparty ein wenig absteppen. Viel aufregender hingegen war es am Long Beach bzw. der Weg dort hin. Wir dachten uns, gehen wir mal eben zum Long Beach und genießen den Tag an einem anderen Strand. Pustekuchen…
Aus dem Strandspaziergang wurde eine Dschungeltour, barfuß!
1 ½ Stunden sind wir durch den Dschungel auf Koh Rong gewandert um am Long Beach anzukommen. Da wir alle von 10 min Fußmarsch ausgegangen waren, waren wir froh um einen Schluck Wasser und die Bootsfahrt zurück.

 

Sucht
Eines der Probleme in Kambodscha das ich mitbekommen habe ist der Alkoholmissbrauch. In diesem Zusammenhang steht wahrscheinlich auch viel der häuslichen Gewalt. Das Kambodscha im Allgemeinen noch sehr stark gewaltbereit ist, wenn es um Erziehung geht steht fest.
Der starke Alkoholkonsum unterstützt dieses dazu noch ungemein und ich möchte nicht sagen, dass dieser bei dem Preis von 500 Riel für 0,5l Reiswein auf der Hand liegt. Dennoch macht es den Konsum um einiges leichter, wenn 4 Flaschen Reiswein, der so viele Umdrehungen wie Schnaps hat, so viel kosten wie eine Dose Cola.

P.S: Ich war gestern auf einem Jessie J Konzert für 2$!

Philo und Kampong Cham

Philosophie für Anfänger:

Das Stroh
Ich habe mir überlegt, dass ich es mal ausprobiere unter den Titel „Philosophie für Anfänger“ einige Texte der etwas anderen Art zu schreiben. Ich versuche meine Beobachtungen und Eindrücke hier auf eine andere Art und Weise darzulegen.
Auf einer kleinen Reise durchs Land, auf dem Weg nach Kampong Cham, konnte ich dazu eine eindrückliche Beobachtung machen.
Zunächst, aber muss ich zurück in die Zeit in Deutschland. Hier hat mich die Kunst des Impressionismus interessiert und so bin ich auf Monet und seinem Strohhügel (Monet, Stroh-Schober am Ende des Sommers, 1891 Öl auf Leinwand) gestoßen. Viele Worte zu diesem Werk möchte ich allerdings nicht verlieren, was einige Leser sicherlich nicht bedauern werden. Ich habe mir also in Deutschland einige Gedanken über dieses Werk gemacht. Ich dachte, von mir behaupten zu können, diese Werk verstanden zu haben. Sofern man davon ausgeht, dass man ein Kunstwerk „verstehen“ kann.
Ich bin also auf dem Weg nach Kampong Cham. Der Busfahrer navigiert gezielt durch den von Motorrollern beherrschten Verkehr und hupt sich den Weg frei. Die Landschaft rast an mir vorbei. Eine Zeit lang unterhalte ich mich mit meiner Mitreisenden Maxie über alles was uns bewegt. Ansonsten starre ich nach draußen und versuche die Natur, die mir mit unglaublich hellen und zugleich warmen Farben begegnet, in allen ihren Fassetten aufzusaugen. Und wie ich so in die Welt raus schaue und schon völlig glücklich und fasziniert bin, bemerke ich langsam, dass hier etwas anders ist. Nicht nur die Zuckerpalmen die wie Pusteblumen in der Landschaft hervorragen, nicht nur die Häuser die von Stelzen getragen werden und auch nicht das weite Nichts. Die Strohhügel fallen mir in meinem Blick und wie ich sie so wahrnehme fangen meine Gedanken an sich wie ein weitgesponnenes und manchmal verwirrtes Netz über das Land zu legen. Ich bemerke, dass ich so eine Holz-Schober noch nie zur vor gesehen oder wahrgenommen habe. Und gleichzeitig beginne ich mich an das Werk von Monet zu erinnern. Irgendwann frage ich mich ob es sowas etwas doch bei uns gibt, oder zumindest in Europa. Vielleicht ist diese Konstruktion ein Überbleibsel von der Zeit in der Kambodscha französische Kolonie war. Vielleicht war der Franzose Monet auch einfach in Kambodscha unterwegs oder diese Strohhügel gibt es einfach überall und ich hab sie nur nie zuvor wahrgenommen. Wenn das bedeuten würde, dass ich jetzt gelernt hab aufmerksamer zu beobachten, hat der Freiwilligendienst in seinem Ansatz jetzt schon seinen Sinn erfüllt. Aber das ist mir erst mal egal und ich nehme mein Gedankennetz wieder auf und komme zurück zu Monet. Ich denke darüber nach, was seine Intension war. Der Impressionismus zeigt die Dinge so auf wie man sie wahrnimmt. Man verzichtet auf Schwarz und beobachtet wie sich die Umwelt durch das Licht verändern lässt. Ich denke mir wo kann man das besser als hier…
Ein unglaublich klares Licht und so intensive Farben wie hier habe ich noch nie gesehen. Die Straße ist in ein warmes Rostrot getaucht und um sie herum blüht das grüne Leben in allen Tönen. Schwarz scheint nicht zu existieren. Das muss hier eine andere Sonne sein, die der Natur dieses Licht schenkt. Doch auch kurz bevor der Regen kommt ist die Atmosphäre niemals trist. Man glaubt sehen zu können wie sich Pflanze, Mensch und Tier sich auf den Regen freuen und schnell findet die Sonne wieder ihren Weg und bricht strahlend durch die Wolken. Um die Philosophie auszureizen… Es ist wie Poesie!
Aber trotzdem werde ich den Gedanken nicht los, dass ich sowas wie diesen Stroh-Schober, vorher nicht kannte, ihn aber zu kennen glaubte. Ich habe ihn einfach so hingenommen und mir die Freiheit rausgenommen über eine solche Konstruktion zu urteilen und meinte feststellen zu können, dass das Bild ein Werk des Impressionismus ist. Aber woher wusste ich dass, wenn ich sowas zuvor noch nie gesehen habe? Und wie ich mich das so frage, fange ich an über Stereotypen nachzudenken. Ich meine von mir zu behaupten, dass ich ziemlich Weltbewusst und aufgeklärt bin. Aber das Meiste, was ich über die Welt meine zu wissen, basiert auf Fotos oder Berichten und nicht auf meiner eigenen Erfahrung.
Bevor ich nach Kambodscha kam, habe ich mich natürlich über dieses Land informiert. Ich war begeistert, dass die Menschen in diesem Land so voller Freude sind. Aber ich hätte mir nie ausmalen können, wie präsent die Lebensfreude ist. Jeder Mensch begegnet dir mit einem Lächeln. Manchen Menschen sieht man an, dass sie so gut wie nichts haben, aber sie haben ein Lachen im Gesicht. Wenn zwei Weiße durch die countryside mit dem Rad fahren, kommen alle Leute raus zum gucken und nicht, weil sie von etwas neuem überrascht sind und ihr Hab und Gut vor uns beschützen wollen. Nein, sie kommen raus weil sie interessiert sind und uns gerne einladen wollen ihr Bisschen zu teilen.
Diese Beobachtung hat mir gezeigt, dass es wichtig ist, weiterhin wissbegierig zu sein und diese Begierde mit Quellen zu füttern. Man muss sich aber immer wieder bewusst machen, dass diese Quellen nicht objektiv sind und um sich ein wirklich klares Bild von einer Sache zu machen muss man es mit eigenen Augen zu sehen. Besonders möchte ich hierbei auf Menschen, ethnischen Minderheiten und einfach auf diese, die anders sind hinweisen. Bevor man diesen Menschen nicht kennt, kann man nicht glauben, dass man sie kennt und urteilen. Auch wenn einiges grundsätzlich richtig sein kann, kann man niemals ein Gefühl für einen Menschen kriegen von dem man nur gehört hat. Das geht nach Hause: lasst uns lachen und uns auf andere einlassen. Das ist bei weitem nicht die Lösung für Alles, aber macht das Leben bunter, es verliert an Schwarz und wird intensiver wie in der Natur und im Impressionismus.

Für die, wo [die] nicht so viel Lust auf das „Gelabere“ haben, folgt jetzt ein kleiner, normaler, aber feiner Bericht von meinem Wochenende. (vgl. Inken aus Süddeutschland)

Kampong Cham
Freundliche, lachende Menschen hin oder her. Manchmal wird man auch einfach angefurzt. Maxie, eine Mitfreiwillige, und ich hatten uns gerade bereit für einen Spaziergang durch Kampong Cham gemacht, da geht eine Oma an uns vorbei und furzt und ganz genüsslich an. Witzig war‘s, aber nicht die einzige Situation am Wochenende, bei der mich jemand ärgern wollte. Auf dem Frauenberg, der auch Inhalt einer Legende ist, die den Kambodschanern sehr gefällt, wurde ich Opfer eines Diebstahls. Aber lasst mich zuerst die Legende der Berge erzählen. Denn es gibt einen Frauenberg (Phnom Srey) und daneben liegt auch noch der Männerberg (Phnom Pros). Es gab einmal einen Jungen, der in seine Mutter verliebt war. Er wollte sie heiraten, aber sie wollte nicht. So schlossen sie eine Wette ab. Die Männer und Frauen der Stadt sollten jeweils einen Berg errichten bis die Sonne wieder aufgeht. Die Frauen legten nach einiger Zeit ihre Arbeit kurz nieder um ein Feuer zu machen, dessen Flammen bis in den Himmel ragten. Die Männer dachten der Tag wäre angebrochen und legten jetzt auch ihre Arbeit nieder. So konnten die Frauen noch bis zum Morgen graben und gewannen die Wette. Die Mutter musste ihren Sohn nicht heiraten. Als wir also auf dem Weg zum Frauenberg waren, um auf den Männerberg herab zugucken, machten wir einen Umweg über eine Tempelanlage. Dort war das Zuhause vieler Affen, die von den Touristen gefüttert wurden. Wir gingen, aber ohne Weiteres an ihnen vorbei, bis ich bemerkte, dass mich Einige der Affen verfolgten. Einer sprang mit einem Satz an mir hoch und klaute mir meine Wasserflasche die ich in der Hand hielt. Nach diesem Erlebnis mussten wird erst mal eine wunderschöne Fahrradtour durch das idyllische Land machen. Wir radelten einfach drauf los. Nach einigen Kilometern und einigen Dörfern, die wir passierten, kamen wir an einem wunderschönen See an. Wir hielten kurz inne und radelten wieder zurück. Am Abend setzten wir uns an die Bar und tranken unglaublich leckere Frozen Bananadaiquiris. Am nächsten Tag trafen wir unseren persönlichen Tuk-Tuk-Fahrer. Er brachte uns zu einem abgelegenen Flüsschen, an dem Kambodschaner sich treffen und mittels Gummiringen der Strömung des Flusess folgen. Die meisten Kambodschaner bevorzugen dabei den einfachen dresscode – Schlafanzug. Auf der Rückfahrt wurden wir von unserem Tuk-Tuk-Fahrer kurz zu ihm nach Hause eingeladen und am Abend führten wir eine nette Unterhaltung bei einem weiteren Frozen Bananadaiquiri. In Phnom Penh angekommen sind Maxie und ich flix auf ein Boot gehüpft und haben eine romantische sunsettour gemacht.
Nach dem Wochenende war ich froh, wieder zurück nach Hause (Tonle Bati) zukommen und meine Kleinen wieder zu unterrichten.
Achso Sorry Pipi Langstrumpf, aber deine Villa Kuntabunt und die netten urigen Häuschen in Schweden sind nichts gegen die rostroten Häusern auf Stelzen mit bunten Treppen und Festern hier in Kambodscha.

Monat #1

Den ersten Monat, nenne ich mal das Ankommen. Es ist ein Prozess der immer noch andauerd. Vom Aussteigen aus dem Flugzeug bis heute ist viel passiert und ich habe viel gesehen.
Zunächst habe ich alles mit Erstaunen beobachtet. Dann einfach mal die Veränderungen hingenommen und einen Platz in dieser neuen Welt gesucht. Fündig bin ich schnell, mit der Hilfe der hier so unglaublich herzlichen Menschen geworden.
Aber etwas Neues zunächst hinnehmen ist das Eine. Akzeptieren ist etwas Anderes.
Hier habe ich mir schnell sie Frage gestellt:
Kann ich hier mit einem verhältnismäßig hohen Lebensstandard leben und das Leid hier trotzdem nicht akzeptieren?

Ein Widerspruch der mir missfällt. Ich merke immer mehr, was das für ein Vergangenheit gewesen sein muss, die Kambodscha durchleben musste. In Deutschland wird man nicht mit Kindern konfrontiert, die auf der Straße leben, betteln und manches Mal verstümmelt werden, um mehr Geld einzubringen.
Aber ich glaube auch , dass man schnell merken muss, dass man kein Weltverbesserer mit dem ultimativen Erfolg sein kann. In erster Linie ist dieses Jahr eins für mich.
Dennoch lasse ich es mir nicht nehmen mich als kleiner Weltverbesserer auszuprobieren.
Wichtig: kleine anfangen nicht viel erwarten!
Aus diesem Grund freue ich mich auf den Unterricht mit meinen kleinen Rabauken aus dem Kinderdorf.
Ich bin froh, dass ich an ihrem Leben teilhaben kann und ich rechne es ihnen hoch an, dass sie mir vertrauen und das was sie haben mit mir teilen und ich Gast in ihrem Land sein darf.
Grandma, die eine faszinierende kleine Powerfrau ist, die schon einiges er- und überlebt hat. Sie sorgt für unser leibliches Wohl und behütet unser noch nicht fertig gestelltes Dörfchen. Die Kinder die Abends zum UNO spielen vorbei kommen. Die anderen Freiwilligen und alle Menschen die mir mit einem breitem Lächeln begegnen…
…machen diese Reise so wertvoll.
In der Schule werde ich liebevoll „teacher Nora“ genannt. Teacher, eines der wenigen Worte, die alle Kinder verstehen oder zumindest zu benutzen wissen. Im Moment haben wir Sommerschule. Es findet Nachmittags eine Betreuung und Unterricht in Englisch, Kunst und meist Sport statt. Das eine Mal wird über gesunde Ernährung im Englischunterricht gesprochen und dazu Früchte im Kunstunterricht gebastelt. Das andere Mal singen alle Kinder im Alter von 3-14 einen Zahnputzsong.
Zurzeit basiert die Arbeit mit den Kindern auf den Freiwilligen. Das bedeutet viel Verantwortung und viel Arbeit aber auch Freiheit und ganz viel Spaß.
Während Tonle Bati mein neues Zuhause geworden ist, ist Phnom penh noch super spannend. Ich beobachte immer noch fasziniert den Verkehr. Aber auch die Kluft von Arm und Reich ist hier stark zu sehen.

Hier meine Erlebnisse im Überblick: 

Top10 Nora’s Erlebnisse in 30 Tagen Kambodscha

1: mit den Kids im Regen getanzt
2: die anderen Freiwilligen sind zu Freunden geworden
3: Hängematte gekauft
4:  Roller gefahren
5: gefeiert mit den workern
6: Killing Fields angeschaut
7: im dunkeln Tuk-Tuk gefahren (ohne Licht)
8: Gayclub besucht
9: Hängematte ist kaputt gegangen 😀
10: Unfall mit dem Roller gehabt 😀

Zuletzt möchte ich noch etwas über meine Chefin, Betreuerin und Koordinatorin erzählen. Mouy ist eine super Frau. Jeder respektiert und achtet sie. Sie schreitet durch Kambodscha mit unglaublicher Bestimmtheit. Sie hat das Kinderdorf wie aus dem nichts aufgebaut (und ja rund herum ist nichts in Tonle Bati :D)
Jeder mit dem ich geredet habe, hat mir gesagt, sie ist die beste Lehrerin überhaupt. Für mich ist sie Khmerlehrerin und professionelle Chefin, aber auch super herzlich.
Man wird von hier umarmt und wenn es einem schlecht geht mit einer unglaublichen Ruhe und einem Lächeln aufgefangen (ich dachte das kann nur meine Mama).
Sie ist der Weltverbesserer der mich hoffen lässt auch mal einer zu werden, wenn ich groß (bzw. älter ;)) bin.

Tüdelü Nora
image

image

image

image

image

image
image

Killing Fields (Choeung Ek)

Dieses Wochenende bin ich zu den Killing Fields gefahren. Ein Muss für jeden der in Kambodscha ist.
Mir hat es allerdings die Sprache verschlagen. Ich bitte euch nur, euch dieses Lied anzuhören. Es wurde am Ende meines Aufenthaltes in dem Völkermord-Gedenkzentrum gespielt und hat mich sehr bewegt.

Ankommen in Tonle Bati

Tüdelü ihr süßen in der ganzen Welt!
Ich  bin jetzt seit fast zwei Wochen in Kambodscha und komme schon einige gut Tage ohne Klimaanlage aus. Hier ist es super warm. Eigentlich ist Regenzeit, aber das Wasser ist trotzdem  knapp. Momentan leben 22 andere Freiwillige aus Frankreich, England und Deutschland zusammen mit mir in einem Kinderdorf. Von Phnom Penh ist es etwa eine Stunde und ein Haufen Nerven, die der Verkehr kostet, entfernt. Endlich angekommen ist weit und breit nichts!
Das Kinderdorf ist noch eine Baustelle jeden Tag fällt mindestens einmal das Wasser komplett aus und hier in der Wildnis gibt es einige Tiere zu sehen und zu hören.
Die Sonne geht schnell unter und man will, nachdem man Stunden mit Kindern getanzt hat, sie getröstet und mit ihnen aufs Klo gegangen ist, nur noch ins Bett. Puh wohl verdienter Schlaf. Dieser wird allerdings von lauter Grillen zirpen und dem Schnalzen der Geckos gestört. Wir schlafen halt so gut wie draußen. Morgens wird man gegen vier „sanft“ von Mönchen, die im Tempel auf der anderen Seite des Sees ihren Buddhismus laut ausleben, geweckt. Und trotzdem fühlt man sich hier wie in Paradies. Eine atemberaubende Aussicht und tolle Menschen um mich rum. Jetzt geht der Tag los. Ein bisschen wird gefrühstückt, aber sehr westlich. Dann fangen die Vorbereitungen an. Die Kinder kommen bis November nur zum spielen in die Schule. Die Betreuung jetzt fängt um 13 Uhr an. Wir tanzen, singen, basteln und lernen spielerisch Englisch mit den Kindern. Am Vormittag denken wir uns Tänze aus bereiten Spiele oder den Englischunterricht vor. Die german guys machen auch mal Gartenarbeit in der Hitze. Das Kinderdorf ist ständig im Wandel. Einige Arbeiter arbeiten hier rund um die Uhr (also für kambodschanische Verhältnisse) so sollen drei Schwimmbecken, Felder zum Fußball, Tennis und Volleyball spielen entstehen. Zurzeit tummelt sich in den Pausen alles auf dem leider noch grauen Skatepark. …aber das lässt sich bestimmt noch ändern. 😉
Am Wochenende ist es hier etwas ruhiger. Die Engländer und Franzosen sind weg. Man hat genug Zeit die Umgebung zu erkunden. Manchmal macht man sich auf den weg, herauszufinden woher die Musik kommt, die von morgens bis abends gespielt wird. Oder man darf mit der ganzen khmer-Familie mit dem tuk-tuk, über ein Reisfeld, zu einer Farm. Hier wird einem dann erklärt wie Reisschnaps gemacht wird, man kauft das ein oder andere Huhn und bekommt die Möglichkeit Frosch zu essen. Das ist so aufregend. 🙂

Ich freue mich auf das Jahr hier sehr und freue mich auf die Erfahrung die ich mit mir selbst, den Umständen und den Kindern sowie den Einheimischen gewinnen darf.
Wenn das Internet funktioniert, hört ihr bald wieder was von mir.

Viele Grüße Nora